Shop-Typologie

Avantgarde des Verkaufens: eine Shop-Typologie für die Ära des Sales Design

Eine zentrale Frage, die in dieser Rubrik beantwortet werden soll: Was kommt nach dem Concept Store? Lesen Sie hier den Versuch, die konzeptionellen Wegmarken der künftigen Einzelhandelslandschaft beim Namen zu nennen: eine Point-of-Sale-Typologie für die Ära des SALES DESIGN. Eine grobe Orientierung geben Ihnen bereits die beschriebenen Trendlinien.

Zweifelsohne sind die Konzeptläden in den Szenevierteln der Großstädte kleine, aber feine Bastionen gegen den Einheitsbrei der Handelsketten der Flaniermeilen. In den letzten Jahren haben diese Point-of-Sale-Innovationen bewiesen, dass ungewöhnliche Sortimentskombinationen, Abwechslungsreichtum, verblüffendes Store-Design und eine präzise Zielgruppenansprache ein Vakuum befüllen, das übersättigte Märkte und Marktpolarisierung hinterlassen haben: die Sehnsucht der Konsumenten nach Individualität, Identifikation mit dem Produkt (und dem Händler) sowie eine berufliche Heimat für Jungunternehmer jenseits des Mainstream. Dennoch lassen sich Concept Stores schwer definieren. Zu unterschiedlich sind die jeweiligen Ausrichtungen. Leichter fällt die Aussage, was ein Concept Store nicht ist: Selten ein Mono-Markengeschäft, kein klassisches Kaufhaus und gewiss auch kein Flagship-Store oder eine normale Modeboutique.

Ob Accessoires, Designer-Klamotten, Schuhe, Bücher, Musik, ungewöhnliche Textilarbeiten, Luxusstrick oder Kunst – eines steht fest, das Sortiment ist weniger ausschlaggebend für das Shop-Design als Lage und Zeitgeist. „Wir arbeiten sehr stark mit dem Charme der jeweiligen Location und versuchen, den Laden den Räumlichkeiten anzupassen, was bei uns meistens gut funktioniert“, sagt etwa Christoph Munier von „Kauf dich glücklich“, dem Berliner Szene-Möbel-Mode-Café – ja, was ist es eigentlich? –, dessen Motto-Brand bald auch für die Gründung eines Hotels herhalten soll.

Es sind jene experimentierfreudigen Amateur-Gastronomen, Concept-Store-Betreiber, aber auch Retail-Revolutionäre wie Ikea, die den Weg des Einzelhandels und der Out-of-Home-Märkte der Zukunft vorgezeichnet haben: Verkaufsflächen werden immer mehr zu „Third Places“, zu hybriden Orten irgendwo zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, auf dem Weg zwischen Zuhause und Arbeitsort. Genau hier setzen innovative Ladenkonzepte an. Hat der Concept Store bisher vor allem die Grenze zwischen Boutique, Warenhaus und Galerie aufgebrochen, werden in Zukunft Verkaufsräume und Stores noch stärker die Schnittstelle von Treffpunkt und Einzelhandel, Socializing und Verkauf, Community und Marke sein. Starre Öffnungszeiten sind in diesen Läden tabu.

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